Samstag, 7. Oktober 2017

Mein Alltag in Riga

Sveiki,
Ka klajas?

Die Letten würden jetzt immer Labi sagen, sowieso das meist benutzte lettische Wort.
Labi heißt so viel wie Gut, aber eigentlich wird es ganz oft am Satzende oder einfach als lettisches okay benutzt.

Dies habe ich auch ohne Sprachkurs gelernt. Doch dieser findet sehr regelmäßig statt und ich finde diesen sehr hilfreich. Dort fangen wir gerade erst an und beginnen erst mal mit den Basissachen. Ich hoffe, dass es bald etwas schneller geht und ich mehr lerne, was ich im Alltag benutzen kann.

Meine Hauptaufgabe ist das drosa maja, wo ich dreimal pro Woche arbeite.
Die Aufgaben der NGO habe ich ja schon beim letzten Mal erklärt.

Zu Beginn habe erst ein bisschen Büroarbeit gemacht. Das bedeutet, dass ich Bücher gebunden habe und ein bisschen Papierkram erledigt hab.
Trotzdem habe ich so das drosa maja gleich viel besser kennengelernt und auch gleich viele der Mitarbeiter.
An meinem ersten Arbeitstag wurde ich zu einem Vortrag mitgenommen. Das Thema war, wie Flüchtlinge hilfreich für die Wirtschaft eines Landes sein können. Dazu wurden zwei Kanadier eingeladen und diese haben sehr spannend von ihrem System erzählt. Das Thema war super interessant und ich habe gleich vieles dazu gelernt.
Anschließend war ich bei der Human Library. Dieses Event findet regelmäßig in Riga statt und dort erzählen verschiedene Emigranten und Flüchtlinge ihre Geschichten.
Ich habe die Geschichte von einem Mädchen aus der Türkei und einem Mann aus dem Iran gehört.
Beide waren super unterschiedlich, doch auf ihre Art und Weise einzigartig.
Ich möchte, auf jeden Fall noch mal dahin gehen und noch mehr Geschichten hören.

An einem normalen Tag im drosa maja, verlasse ich um 8 Uhr mein Zimmer, um in die Stadt zu fahren. Dort nehme ich einen anderen Bus und komme gegen 10 Uhr in Mucenieki an. Da leben im Moment ca. 80 Flüchtlinge und Emigranten. Insgesamt gibt es allerdings 200 Betten, die aber fast nie voll besetzt sind. Morgens ist es dort meine Aufgabe, die Klienten aufzuwecken und mit dem Bus zurück in die Stadt zu begleiten. Dies mache ich immer zusammen mit meiner Betreuerin, da ich mich in den Gebäuden nicht alleine aufhalten darf.
Im drosa maja angekommen, haben die Erwachsenen 3h Lektionen. Dort lernen sie das Gesundheitssystem und die lettische Kultur kennen. Währenddessen betreue ich zusammen mit anderen Mentoren die Kinder. Teils ist dies sehr anstrengend, weil das Alter sehr unterschiedlich ist.

Dies ist allerdings nicht mein einziges Projekt in der Woche.
Jeden Mittwoch gebe ich von 16-17:30 Uhr einen Deutschkurs für Senioren. Diese lernen schon seit ca. einem Jahr Deutsch und haben teils sehr unterschiedliche Niveaus.
Bis jetzt macht es mir viel Spaß, den Kurs vorzubereiten und mir Gedanken zu Inhalten zu machen. Allerdings muss ich mich erst mal daran gewöhnen, wie viel in 90 Minuten machbar ist und auch was die Senioren so wollen.
Besonders schwer ist es für mich, so langsam zu reden, dass mich alle verstehen.
Doch ich freue mich über die Herausforderung und glaube, dass ich mich in den folgenden Wochen weiter einarbeiten werde.

Meine feste Aufgabe im Kloster ist es, die Kapelle einmal pro Woche zu putzen. Dies dauert so 2-3h und ich finde es eigentlich ganz entspannend und dabei habe ich viel Zeit um nachzudenken.

Sonst verbringe ich meine Freizeit in netten kleinen Cafes oder nutze das reiche Kulturangebot in Riga. Ich war schon in der nationalen Kunstgalerie und bald geht es ins Ballett.

Meinen Alltag finde ich sehr gut, weil ich gut beschäftigt bin und trotzdem aber auch Freizeit habe. Gerade diese Entspannungspausen brauche ich auf jeden Fall, weil ich durch meinen Alltag sehr müde werde.
Die wechselnden Sprachen und vielen neuen Aufgaben sind eine wirkliche Herausforderung. Doch ich denke, dass dies mit der Zeit weniger wird und ich mich natürlich jeden Tag mehr einlebe.

Das war erst mal ein kleiner Einblick in meine letzten zwei Wochen.

Und damit Uz redzesanos aus Riga!

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